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Nana Petzet Modellbiotop Peutegrund

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Nana Petzet


Beitrag Nana Petzets für die Ausstellung "Freie Flusszone" auf dem Lieger Caesar, September und Oktober 2011:


Modellbiotop Peutegrund

August 2008 – Februar 2011


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Modellbiotop Peutegrund, August 2008 – Februar 2011

Bei den Recherchen zu artenreichen Biotopen habe ich im Juli 2008 im Hamburger Hafen ein Gelände entdeckt, den Peutegrund. Das 10 Hektar große Areal mit einem See und einer vielfältigen Flora und Fauna, mitten in einem durch intensive gewerbliche und industrielle Nutzung geprägten Gebiet, untersteht der Hamburg Port Authority. Das Projekt „Modellbiotop Peutegrund“ zielt darauf ab, diesen bisher als Hafenerweiterungsgebiet und „Altlastverdachtsfläche“ definierten Brachraum mit künstlerischen Mitteln in seinem Wert als Biotop sichtbar zu machen – und seine Neubewertung anzustoßen.

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Der Peutegrund liegt im Südosten von Hamburg auf den von Norder- und Süderelbe umschlossen Elbinseln auf der Peute, einem vielen Hamburgern unbekannten Industriegebiet. Bis zur Flut von 1962 gab es in dem niedrig gelegenen Areal an der Norderelbe Kleingärten und kleine Gewerbebetriebe. Nach der Flutkatastrophe wurde der Peutegrund durch die Hamburg Port Authority (damals noch Strom- und Hafenbau) übernommen. Um das angrenzende Industriegelände vor Hochwasser zu schützen, wurde der Peutegrund in den 70ger Jahren teilweise mit einer Spundwand eingedeicht und der Peuter Elbdeich auf das Niveau von 7,20 Metern erhöht. Seitdem blieb der Peutegrund sich selbst überlassen, auch wenn „Strom und Hafenbau“ sich das Areal zunächst als Erweiterungsfläche für den Binnenschifffahrtshafen Peutehafen gesichert hatte.

Durch einen niedrigen Deich dem Tideeinfluss der Elbe zum Teil entzogen und mit einem Zu- und Abflussrohr mit dem Peutehafen verbunden, hat sich der Peutegrund, der bei Sturmflut regelmäßig überflutet wird, in den letzten 40 Jahren zu einem einzigartigen Biotop entwickelt.

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Umweltschützer, die die zunehmende biologische Verödung im Hafengebiet mit Sorge zur Kenntnis nehmen (die Zerstörung von gesetzlich geschützten Biotopen wie Rodewischhafen, Hohe Schaar und Blumensandhafen), verfolgen seit Jahren die biologische Entwicklung im Peutegrund. Die Hamburger Umweltbehörde hat 1990 wenigstens eine grobe Kartierung der vorhandenen Tier- und Pflanzenarten des Gebiets vorgenommen und es als geschütztes Biotop der niedrigsten Schutzstufe eingeordnet.

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Im Mittelpunkt Projekts „Modellbiotop Peutegrund“ steht die Kartierung und filmische Dokumentation der Tier- und Pflanzenwelt in Zusammenarbeit mit dem Ornithologen Günter Rupnow, dem Entomologen Frank Röbbelen und dem Botaniker Jörg von Prondzinski. So gelang auch der Nachweis der Besiedelung durch die gestreifte Zartschrecke, die in der Roten Liste in der Kategorie 1 „vom Aussterben bedroht“ geführt wird.

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Das Projekt berührte noch einen anderen wichtigen Apekt des Biotopschutzes: die Neophyten-Problematik. Neophyten sind Pflanzen, die vom Menschen aus fernen geografischen Regionen eingeführt wurden und sich hier über mehrere Generationen vermehren. Einen kleinen Teil des Peutegrunds befreite ich anlässlich der Ausstellung „Kultur/Natur“ vom sich expansiv ausbreitenden japanischem Staudenknöterich.

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Durch die Neophytenbeseitigung, gemeint als symbolische Rettung der Biodiversität des Peutegrunds, und dank der politischen Arbeit von Harald Köpke und anderen Vertretern des BUND kam es in letzter Zeit zu einem Umdenken der Hamburg Port Authority. Nachdem sich die HPA bereit erklärt hat, in größerem Umfang eine nachhaltige Beseitigung des Japanischen Staudenknöterichs im Peutegrund durchzuführen, soll nun zum ersten Mal im Hamburger Hafen eine Aufwertungsmaßnahme in einem gesetzlich geschützten Biotop erfolgen.

Nana Petzet





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Fragmente aus dem Projekt "Modellbiotop Peutegrund":
Collage auf Papier, Video der symbolischen Rettung der Biodiversität des Peutegrunds, Matte aus Japanischem Staudenknöterich vom Peutegrund.


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